In hübscher Regelmäßigkeit veröffentlichen die letzten Grunge-Helden durchweg großartige Alben. Grunge ist schon seit 15 Jahren gestorben, Pearl Jam haben sich nie in der melancholischen Fuck You-Attitüde wohl gefühlt. Und sind immer noch dabei. Ihr neues Album „Backspacer“ ist mehr als nur ein Lebenszeichen, es ist ein leiser Donnerschlag in vielerlei Hinsicht.
Die anderen Stücke erscheinen dann plötzlich weit und fern, wenn sich die Tiefe von „Just Breathe“ und „The End“ offenbart. Es wäre aber falsch zu denken, dass das Album nur um diese sechs Minuten gestrickt wurde. Es sind viel eher die Texte und Details, die auch die anderen Stücke zu kleinen Perlen heranwachsen lassen. Pearl Jam haben mit „Backspacer“ auch ein Album geschaffen, das weniger schroff und sperrig klingt als die Trotz-Reaktionen „No Code“ und „Vitalogy“ auf das Grunge-Überalbum „Ten“. Hymnen gibt es auch bei „Backspacer“. Das sich aufwühlend aufbauende „Amongst The Waves“ gehört dazu, oder auch das verspielte „Got Some“ und protestierende „Unthought Known“. Stimmungsvoll schmeichelt sich Folk betont „Speed Of Sound“ in die Gehörwindungen. Völlig ohne Klischee und Pathos. Einfach echtes Gefühl, das man immer dann spürt, wenn man in die Ferne schaut, Dinge überblickt und zu sich selbst findet. Dann will man am liebsten ewig zuhören, wenn Ed Vedder singt, „Yesterdays, How Quick They Change / All The Lost and Long Gone Now“.
Dann wird der Zuhörer mit „Backspacer“ wirklich in die frühen Neunziger zurück katapultiert, oder auch in die späten, als Pearl Jam mit „Yield“ wieder zur Hymne zurückfanden. Erinnerungslücken schließen sich allmählich, und auch die Erkenntnis kommt wieder, dass Pearl Jam einfach nur eine Rockband sind, die es verstanden hat, sich und auch ihren Ruf als träumerischste Grunge-Band der Seattle-Zeit zu überleben. Grunge haben sie überwunden. Da ist wohl die beste Entwicklung, die diese Band gehen kann. Doch zu unseren Herzen stürmen sie alle Barrieren.
Zu guter Letzt stürmen Pearl Jam auch die Herzen ihrer Fans, indem sie mit ihrem Album ein Mulitimedia-Interface bieten, wo man durch das Anklicken einzelner Oberflächen auf eine Downloadseite ihrer Homepage gelangt, kostenlos zwei Konzertmitschnitte downloaden kann, oder Wallpaper, Fotos und vieles weitere. Mehr fürs Geld und eine gelungene Lösung, die ein MP-3-Format nicht bieten kann.

