Death Metal gibt es als Spielart schon nahezu 25 Jahre. Und immer noch schießen Bands wie Pilze aus dem Boden. Neu ist allerdings, dass in West- und Mitteleuropa auch Gruppen bekannt werden, die aus Israel, Indonesien, Taiwan und Japan stammen. Nun gesellen sich Nervecell aus den Arabischen Emiraten dazu. Dort gilt Metal als blasphemisch.
Man möchte meinen, dass Nervecell orientalischer klingen als Nile, aberwitziger als Morbid Angel. Beides Gruppen, die sich mit Altorientalistik und Ägyptologie bestens auskennen. vor allem, wenn es um die dunklen Mächte geht. Vor allem Nile baut orientalische Skalen ein, schwurbelt Bauchtanzmusik mit kräftigem Death Metal-Futter in die musikalische Quintessenz. Da müssen Nervecell doch auch so vorgehen? Die Vermutung liegt nahe, wenn man ein Stückchen nördlicher schaut und in Israel Orphaned Land entdeckt. Auch orientalisch, liebevoll gestrickt.Nervecell spielen aber amerikanisch-westeuroäischen Death Metal, sehr technisch und teilweise auch vertrackt. Songstrukturen werden bei den unheiligen Rhythmen durch unzählige Brüche und einigen ausufernden Soli gekonnt umgangen. Die orientalische Identität bleibt beim Hören weitestgehend verwischt.
Trotzdem können Nervecell ganz gut mit dem musikalischen Westen mithalten. Die Araber schmettern grundsolide Stücke in das Death Metal verseuchte Gehirn des Zuhörers, auch wenn man rückwärts gesprochene Botschaften, irgendwie geheimnisvoll klingende Sturzfluten an antiken Flüchen und eine gewisse Entfesselung vermisst. So bleibt "Preaching Venom" einfach nur ein gut eingespieltes Stück globalisierte Metalgeschichte, das keine großen Höhepunkte aufweist. Etwas mutlos, aber dennoch ein Hingucker wert. Im übrigen, die Band scheint sehr aufgeschlossen zu sein und hat sich nicht der schmalen Zuschauerzahlen auf dem With Full Force beirren lassen.

