Freitag, 25. September 2009

Baroness: The Blue Record




Lange ist es her, als ich zum letzten Mal etwas vernahm, das wie eine innere Reise klingt. Metal hört sich ja immer direkt an. Voll in die Fresse. Man denke an Panteras "Vulgar Display Of Power". Hardcore klingt ebenso direkt. Nun gehen beide Musikrichtungen in die Breite. Vor allem Hardcore verwurzelte Musiker öffnen sich neuen Klängen, Stilen. Es entsteht so eine seltsame Fabelwelt aus Seventies, Metalhymnen und Hardcore-Geschredder.


Baroness machen es ähnlich wie ihre erfolgreicheren "Brüder" und einstigen Labelkollegen von Mastodon. Verwunschene Lied-Burgen wechseln mit direkten Attacken auf die Lauscher ab. Die offen strukturierten Stücke fließen zu einer einzigen Empfindung. Akustikteile verknüpfen schwer, düster schleichende und auch fröhlich hüpfende Lieder. Mal katapultiert man in die Stoner-Rock-Ecke, dann in die Siebziger-Prog-Rock-Abteilung, dann wieder in die Achtziger Metal-Klamotte. Iron Maiden lugen in den Harmonien um die Ecke, Metallica weniger. Dafür fehlt die Präzision. Wohl schon eher die schroffe Gangart eines Motörhead, mit kleinen dramatisierenden Momenten. Dicht gepackt mit melodiösen Soli, unterfüttert mit schweren Riffs.


Die Dreiviertelstunde Musik ist aber gefühlte zwanzig Minuten lang. So schnell kommt einem die verträumte, zusammenhanglose Reise vor. Stilistisch nicht mehr fassbar, schaffen Baroness ihre eigene Welt, ihr eigenes kleines Universum. Der Hörer muss sich erst einmal auf die Musik einlassen, die mal klar und stimmungsvoll in höchsten Sphären schwebt, dann sich wieder tief in den schlammigen Humus von Riffen und Rhythmen gräbt.


Baroness: The Blue Chord
ersch. über Relapse Records


13. Oktober 2009


Tracklist von "Blue Record": 01. Bullhead´s Psalm 02. The Sweetest Curse 03. Jake Leg 04. Steel That Sleeps the Eye 05. Swollen and Halo 06. Ogeechee Hymnal 07. A Horse Called Golgotha 08. O´er Hell And Hide 09. War, Wisdom and Rhyme 10. Blackpowder Orchard 11. The Gnashing 12. Bullhead´s Lament