Freitag, 25. September 2009

Das letzte vertonte Spiel: Megadeth starten durch




Als ich 1988 Metal zu hören begann, stieß ich zweifellos auch auf eine der führenden Metal-Bands der Achtziger. Dave Mustaine war bekanntlich bei Metallica, bevor er heraus geworfen wurde. Dann widmete er sich Hochgeschwindigkeits-Metal. Speed Metal heißt das auf Englisch. Merkmale sind schnelle Rhythmen und sägende Gitarren. Melodien gibt es auch und charakteristisch klingende Sänger. Und das ist Mustaine. Seine durch die Zähne gepressten Texte gegen Politiker, Korruption, Wirtschaftskriminalität und Kriegsgeschäfte waren 1988 der Zeit weit voraus. Als er 1990 mit neuer Besetzung noch ein Speed-Metal-Vermächtnis namens "Rust In Peace" aufnahm, darin Golfkrieg und Außerirdische thematisierte, stand er auf dem in der Metal-Szene erreichbaren Zenit.


Dann hat Mega-Dave gedacht; Was Metallica können, kann ich besser. Und bewies das mit songwriterisch hervorragenden Metal / Rock-Alben wie "Countdown To Extinction" und "Youthtanasia". Dann kam der rotgelockte Sänger und Gitarrist ins Trudeln, versuchte mit den letzten Alben an alte Erfolge anzuknüpfen. Sein innerer Konflikt mit Metallica wurde tränenreich auf Metallicas Selbstfindungs-DVD "Some Kind Of Monster" ausgeschlachtet. Genau in der Phase, wo Mustaine eigentlich durchschnittliche Arbeit ablieferte. Ich schielte eigentlich nur auf seine Arbeit. In dieser Zeit, so um 2000 herum, nahm ich gerade andere Musik wahr. Metal war für mich antiquiert, nicht mehr zeitgemäß.


Nun hat er "Endgame" geschrieben und aufgenommen. Und da sind sie wieder; gefühlvolle Hymnen wie "44 Minutes", pfeilschnelle Kracher wie "This Day We Fight" und "Headcrusher". Es sind noch mehr Hits drauf. Frisch klingt es, so wie der junge Morgen wenn man erholt aufsteht und sich dem Sonnenaufgang entgegenstreckt. Wie in lauer Herbstmorgen, der wie Frühling anmutet. Doch was hat das Album speziell für uns Hörer zu bedeuten?


Für alte Fans wie mich wohl zuerst die Tatsache, dass Mustaine wieder so klingt wie in seiner besten Phase von 1988 bis 1992. Die überlagerten Gesänge, aberwitzigen Soli und das Dampfhammerriffing mit der punkig verspielten Note und die bissigen Texte sind wieder da. Natürlich wie immer, der gepresste sowie quakende Gesangsstil Mustaines. Aber so wie es aussieht, könnte es das beste Album des rotschopfigen Liedschreiber-Meisters seit "Countdown to Extinction" werden. Und das meint auch der Großmeister selbst; wenn nicht sogar das beste seiner Karriere.


Megadeth: Endgame
2009
ersch. über Roadrunner
Tracklist:


1. Dialectic Chaos
2. This day We Fight!
3. 44 Minutes
5. Bite The Hand That Feeds
6. 1,320'
7. Bodies Left Behind
8. Endgame
9. The Hardest Part Of Letting Go Sealed With A Go
10. Head Crusher
11. How The Story Ends
12. Nothing Left To Loose