Am Beispiel von The Red Chord lässt sich gut demonstrieren, wie sinnlos Kategorisierungen sind. Die einen nennen es Deathcore, die anderen Brutal Death Metal. Eigentlich haben wir es mit den Jungs aus Massachusetts mit detailverliebten Technik-Freaks zu tun. Sie tun nichts lieber als ihre Zuhörer zu verwirren und auf rasante Achterbahnfahrten in die Abgründe der menschlichen Gedankenwelt zu nehmen.
Man staunt wie Alice im Wunderland, was hier überall zu finden ist. Schleppende Monsterriffs erheben sich über die peitschende Gischt der aberwitzig schnell gespielten Soli. Dann donnert der vertrackte D-Zug in die verzwickten Labyrinthe, eckt und hakt schnell um die Ecke, stoppt jäh und braust von 0 auf 100 in einer Sekunde wieder los. Mit einem beeindruckendem Tempo poltern die Schlagzeugtrommeln den brachialen Takt eines verrückt gewordenen Geisterfahrers, wenn er zu viel Kaffee mit Red Bull getankt und noch eine Dosis Adrenalin genommen hat. Dazwischen stöhnen und grunzen abgrundtief böse klingende Dämenonenstimmen die Endzeit näher. Dazwischen brummt ein verhaltender Bass, dann schwebt ein Solo auf, das eher an Iron Maiden erinnert als an hyperschnell flackernde Kugelblitze. Schwindeliges Leiern wechselt sich mit brüllendem Hämmern in der Schädeldecke ab.
The Red Chord haben mit "Fed Through The Teeth Machine" ein abermals unerreichtes Album eingespielt. Es trägt den Jazz ebenso in sich wie die Frage, ob hier auf 12 Tönen gerockt wird und das Experiment, wie viel Noten pro Minute ein Mensch verträgt. Das im Oktober 2009 über Metal Blade erschienene Album ist das vierte der vier Musiker um Brad Fickeisen, die inzwischen Knoten in den Fingern haben dürften. In der knappen halben Stunde packen sie soviel Musik, die andere Gruppen wohl in drei Alben verwursten würden. Es ist wie es ist: ein Album für Freaks, Nerds, Loner und Loser. Aber dadurch wird es so besonders. Tanzen kann man dazu nicht, rocken und auch nicht, Sex strahlt es auch nicht aus. Was soll man anderes meinen, als dass "Fed Through The Teeth Machine" der absolute Hirnfick ist. Genau richtig für abgedrehte Doktoranden, Akademiker, Computerverrückte und andere Kaputte. Willkommen im Club.
"Fed Through The Teeth Machine" ist im Oktober 2009 über Metal Blade erschienen.
Spielzeit: 35:22 Minuten
Tracklist:
| 1. | "Demoralizer" | 2:32 |
| 2. | "Hour of Rats" | 2:40 |
| 3. | "Hymns and Crippled Anthems" | 2:55 |
| 4. | "Embarrassment Legacy" | 3:00 |
| 5. | "Tales of Martyrs and Disappearing Acts" | 2:09 |
| 6. | "Floating Through the Vein" | 3:15 |
| 7. | "Ingest the Ash" | 2:39 |
| 8. | "One Robot to Another" | 2:17 |
| 9. | "Mouthful of Precious Stones | 4:21 |
| 10. | "The Ugliest Truth" | 2:42 |
| 11. | "Face Area Solution" | 2:01 |
| 12. | "Sleepless Nights in the Compound" | 4:51 |


