Mittwoch, 3. Februar 2010

Industrielle Maschine: Fear Factory produzierten "Mechanize"

Fear Factory ist eine Band gewesen, die ich Mitte der Neunziger zusammen mit Machine Head Dank MTV und VIVA um die Ohren geknallt bekam. Erst spät registrierte ich, dass sie ihrer Zeit weit voraus waren. Ihre wuchtige und scharfkantige Mischung aus vorgefertigtem Industrial, kalter Endzeitstimmung und einer hyper-modernen Auslegung von Heavy Metal machte die Band zu Vorreitern.

Dann sah ich sie 1995 in Prag zusammen mit 20.000 Fans im Vorprogramm von Ozzy Osbourne, wo die Band um Sänger Burton C. Bell und Gitarrist Dino Cazares ein beängstigend heftiges Metalfeuerwerk entfachten. Stahlhart und maschinell hämmerten die Bässe gegen die Bier gefüllten Bäuche, die Gitarren sägten sich zermartend ins Hirn, darüber schwebte die klare und klagende Stimme von Sänger Bell.

Lange ist es her, die Band fertigte in ihrer Angstfabrik weitere Alben an. Manche wie "Obsolete" und "Archetype" habe ich registriert. Andere wie "Digimortal" komplett ignoriert. Nun kam mir ihr so genanntes Reunionwerk in die Hörgänge. So genannt deshalb, weil es eigentlich Gitarrist Dino ist, der nach seinem Rauswurf wieder heimkehrte in Burtons Schoß. Dafür flogen der Bassist und der Schlagzeuger raus. Die wurden ersetzt. Klar. 

Insofern sind auf "Mechanize" zwei Männer vereint, die wohl Fear Factory am stärksten geprägt hatten. Mit Schlagwerk-Kraken Gene Hoglan einen kongenialen Trommelpartner gefunden, der wirklich alles spielen kann. Über die Rolle des Bassisten muss man nicht reden. Aber was haben die vier Herren nun fabriziert?

"Mechanize" besteht aus zehn präzise gefertigten Stahlkuben, die im Ganzen gesehen etwas schroff wirken. Doch nähert man seinen analytischen Blick, bemerkt man die wichtigen Details. Die Gitarrenarbeit von Dino haucht trotz seiner Uhrwerk-artigen Präzision allen Songs Leben und Wucht ein. Kleine liebevoll eingestreute Harmonien, Soli bereichern die Songs, verhelfen ihnen zu einer höheren Dichte. Burton C. Bells Brüllen und mit Hall unterlegte Klarstimme ummanteln die stakkatoartigen Tracks zu einer feinen Legierung, die beispielsweise einem wütend los preschenden "Powershifter" Glanz verleihen. Kurze atmosphärische Verschnaufpausen machen den im Schnelltempo rasenden Donnerzug noch brachialer.

"Christploitation" bricht sich mit einem bizarr gespielten Klaviertakt, zerhackten Rhythmen und düsteren Keyboardflächen Bahn. Hitpotenzial, weil hier auf zusammenhängende Harmonien und Eingängigkeit geachtet wird. Und so sind alle Songs auf "Mechanize" durchformt. Im massiven Mantel, der kolossalen Körperlichkeit jedes seiner zehn Gebote besticht "Mechanize" von einem überbordendem Abwechslungsreichtum, der jedem Zweifler klar macht: Fear Factory sind zurück, besser und stärker denn je. Das Ambientstück am Ende des Albums lässt das Gefühl aufkommen, das Album in Gänze noch einmal hören zu wollen.

Das Album erschien über Candlelight am 9. Februar 2010.
Albumlänge: 44:48 Minuten

Tracklist:


  1. "Mechanize" – 4:41
  2. "Industrial Discipline" – 3:38
  3. "Fear Campaign" – 4:54
  4. "Powershifter" – 3:51
  5. "Christploitation" – 4:58
  6. "Oxidizer" – 3:44
  7. "Controlled Demolition" – 4:25
  8. "Designing the Enemy" – 4:55
  9. "Metallic Division" – 1:30
  10. "Final Exit" – 8:18
Mehr Infos auf Fear Factorys Homepage